US-Wahlkampf in Social Media

Kommunikation | 2 Kommentare | von Claudia Hilker

Im amerikanischen Wahlkampfes wird Social Media immer wichtiger. Dabei geht es aktuell um die Fragen: „Wer ist die Nr. 1? Warum kaufen Unternehmen und Politiker Fans, Follower und Freunde? Welchen Nutzen hat das?“ Anlässlich meines Experten-Interviews für den WDR (Funkhaus Europa Hörfunk) am 3. September 2012 in Düsseldorf habe ich meine Statements schriflich dazu verfasst.

1) Frau Hilker, warum wird Social Media immer wichtiger im amerikanischen Wahlkampf?

Der amerikanische Wahlkampf verlagert sich zunehmend in die sozialen Netzwerke. Social Media ist die Nr. 2 direkt nach TV. Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney setzen verstärkt auf den Stimmenfang via Twitter, Facebook und Co. denn Wähler sind darüber leichter zu erreichen als über klassische Medien. Aus einen aktuellen Umfrage unter US-Bürgern geht hervor, dass TV-Kampagnen nur bedingt wahrgenommen werden. Ein Drittel der befragten Wähler gab an, in der vergangenen Woche kein Live-Fernsehen geschaut zu haben. Der TV-Konsum beläuft sich zwar auf durchschnittlich rund 20 Stunden in der Woche, doch meist wird über Internet oder Digital Rekordern ferngesehen, wobei sich die Werbung ausblenden lässt.

2) Warum ist Social Media möglicherweise entscheidend für den Wahl-Sieg?

Die wahlentscheidende Zielgruppe– jüngere Wähler und Frauen – sind gut über Social Media erreichbar und weisen interaktive und engagierte Verhaltensmuster auf, die für die politische Kommunikation im Wahlkampf förderlich sind:

  • Social Media Nutzer besuchen häufiger Websites von Politikern als andere Nutzer
  • Sie reden in stärkerem Maße mit Bekannten und Politikern über Politik
  • Sie wenden sich deutlich häufiger mit einem Leserbrief an Redaktionen
  • Sie verfassen Kommentare in Blogs oder nehmen an Maillingaktionen teil.

 

3) Was sind die Herausforderungen im Social Media Einsatz im politischen Wahlkampf?

Die Kommunikation in Echtzeit ist die besondere Herausforderung. Schnell, direkt online zu publizieren und eine große Fan-Community zu gewinnen. Dabei umgeht man die Gatekeeper der klassischen Medien wie TV und Nachrichten und kann unabhängig davon seine Ziele verfolgen, also die Meinungsführerschaft anstreben.

4) Wer beherrscht die Social Media im amerikanischen Wahlkampf besser?

Barack Obama beherrscht die Spielregeln besser als Mitt Romney. Er ist engagierter, hat eine größe Präsenz und somit eine größer Fangemeinde mit einer  hohen Viralität =. Dazu zählt, dass er Beiträge bei Twitter retweetet, auf Bloganfragen antwortet und sich an Diskussionen aktiv beteiligt.

5) Welcher US-Politiker ist in Social Media die Nummer eins?

Obama ist ähnlich wie beim letzten Wahlkampf  in den sozialen Netzwerken die Nr. 1. Er nutzt die gesamte Klaviatur, insbesondere: Facebook, Twitter, Yutoube, Blogs und auch relativ unbekannte wie Reddit.com. Die aktuellen Zahlen (Stand 2. September 2012):  Barack Obama hat mit 28 Mio. Facebook Fans und 19 Mio. Twitter Follower die Nase vorn. Mitt Romney hat nur 1 Mio. Twitter Follower und circa 6 Mio. Facebook Fans.

Social Media im US-Wahlkampf

6)    In den Medien wird die Frage heiß diskutiert: „Hat US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney sich Twitter-Follower gekauft?“

Fakt ist: Der Twitter-Account von Mitt Romneyhat am 22. Juli plötzlich einen Sprung nach oben gemacht, er hat mehr als neue 100.000 neue Follower hinzu gewonnen. Das gibt Raum für Spekulationen, denn in den Wochen zuvor hatte er nur täglich rund 3.000 bis 4.000 neue Follower eingesammelt. Das hat der amerikanische Autor Zach Green in seinem Blog 140elect.com untersucht.

7)    Wie beurteilen die amerikanischen Bürger das?

In einer aktuelle Studie sagten 64 Prozent der US–Bürger, sie gäben ihre Stimme nur ungern einem Kandidaten, der über Datenkauf und maßgeschneiderte Werbung auf sich aufmerksam macht. Princeton Survey Research Associates befragte dazu in den Vereinigten Staaten 1.500 Internetuser über 18 Jahren.

8)   Frau Hilker: Warum kaufen Unternehmen Fans?

Viele Unternehmen denken: „Je höher die Anzahl der Kontakte, desto stärker ist die Werbewirkung für mein Unternehmen und folglich – desto mehr Umsatz kann ich erzielen.“ Sie wollen damit – je nach Zielsetzung – zum Beispiel: neue Kunden, mehr Markanteile oder mehr Umsatz gewinnen. Und natürlich nach außen damit mehr Macht, Erfolg und Meinungsführerschaft präsentieren.

9)   Funktioniert das auch mit gekauften Fans?

Nein, mit gekauften Fans funktioniert das nicht. Gekaufte Fans sind inaktive Fans, sie bringen kaum Nutzen, weil sie die Nachricht nicht weiter verbreiten, denn sie twittern und posten nicht. Einige Angebote klingen vielleicht verlockend und sind scheinbar günstig: Tausend Fans kosten bei ebay circa 15 Euro. Aber Vorsicht: der Image- und Vertrauensverlust groß, wenn der Betrug auffliegt.

10)  Was bringen echte Fans, Frau Hilker?

Nur echte und engagierte Fans, Follower und Freunde bringt Unternehmen und Politiker Mehrwerte, weil sie sich mit der Marke identifizieren bzw. sich zum Politiker oder zur Partei bekennen. Diese  Fans tragen die Botschaften voller Überzeugungskraft weiter – frei nach dem Motto: „Wow, dieses Unternehmen oder dieser Politiker hat mich begeistert! Den werde ich wählen, bzw. das Produkt kaufe ich!“

Diese Begeisterung ist spürbar, authentisch, glaubwürdig und ansteckend. Eine solche Empfehlung bewirkt Lust zum Mitmachen und Lust zum Nachmachen. Denn man bevorzugt das, was auch die eigene Freunde mögen. Entscheidend ist also nicht die Anzahl der Fans, Follower und Freunde, sondern der Grad an Interaktion. Das Liken, Kommentieren und Verteilen von interessanten und relevanten Inhalten – das ist der Königsweg in Social Media!

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Kommentare

  1. In den letzten Tagen war vielfach zu lesen, dass Facebook zurzeit „Fakelikes“ löscht und jede Unternehmensseite mit ca. 1 % „Fanverlust“ rechnen müsse. Ich bin gespannt, ob das auch die Politikergarde betrifft. In Deutschland wurde mal darüber diskutiert, ob die CDU Fans gekauft hat oder nicht …

    • Danke für deinen Beitrag, Christa! Dazu habe ich zwei Linktipps zum Weiterlesen, denn das ist ein wichtiger Hinweis:

      1) Ja, laut aktueller Meldungen werden Facebook Pages rund ein Prozent der Likes durch das Entfernen von Fake-Accounts verlieren. Bei Seiten mit gekauften Fans wird der Verlust sogar noch höher ausfallen. Weiterlesen bei t3n.de

      2) Zudem verstößt der Kauf von Fans gegen die Facebook Richtlinien. Die Ausrede, dass es sich hier um eine “Grauzone” handelt, gilt also nicht mehr. Weiterlesen bei Allfacebook.de

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