IBM Experten-Interview zum Enterprise 2.0 Einsatz

Strategie | 2 Kommentare | von Claudia Hilker

Viele Unternehmen nutzen Social Media auch intern, um eine durchgängige innovative Unternehmensführung zu erzielen. IBM ist ein Vorreiter für Enterprise 2.0, da sie diese Tools sowohl intern im Unternehmen einsetzen, als auch extern für Kunden anbieten. Lesen Sie mehr dazu im Experten-Interview mit der IBM-Unternehmenskommunikation. Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch von Claudia Hilker: „Social Media für Unternehmer“.

1) Wie setzen Sie Enterprise 2.0 bei IBM ein?
Die gängigen Social Media-Tools werden bei IBM intern schon lange erfolgreich eingesetzt, denn ein Enterprise 2.0 ist ohne diese für uns nicht denkbar. Unser E-Mail-System hat beispielsweise ein integriertes Chatprogramm, das unternehmensweit über alle Hierarchieebenen genutzt wird, und ist voll kompatibel mit anderen Anwendungen wie RSS-Feeds, integrierter Telefonie, sozialen Netzwerken und einiges mehr. Diese Funktionen müssen überall vorhanden sein, auf dem Notebook unter verschiedenen Betriebssystemen, auf SmartPhones, im E-Mail, im Browser, im Office-Paket und in allen anderen relevanten Anwendungen – wir nennen das „Social Everywhere!“ Und das gilt auch für den Einsatz außerhalb der IBM. Wir treiben den Einsatz von Social Media intensiv voran. Die IBM-Presseabteilung twittert unter @IBMPresseteam, Personalmarketing läuft unter Start@IBM auf Facebook, auf Xing pflegt IBM ein Alumni-Netzwerk, Mittelstandskunden erhalten Service über iPhone-Apps und IBM-Experten schreiben auf dem BlueBlog.

2) Welche Technik brauchen Unternehmer zum erfolgreichen Enterprise-2.0-Einsatz?
Ein Enterprise 2.0 hat eine offene, auf intensive Zusammenarbeit ausgerichtete Struktur. IBM bietet u.a. mit Lotus Connections eine modular aufgebaute Plattform, die zahlreiche Social Media-Tools integriert und auf die Bedürfnisse von Unternehmen und Institutionen jeder Größe anpassbar ist:
1) Mitarbeiterprofile – Gelbe Seiten, die eine Art unternehmensinternes „Facebook“ ermöglichen. IBM verzeichnet über eine Million Abfragen pro Woche.
2) Blogs – eine Art Papierrolle, bei der das Neueste immer oben steht. Sie sind ideal, um Newsletter zu ersetzen oder aktuelle Erfahrungen der Mitarbeiter zu dokumentieren – womit diese dann auch endlich in der Suchmaschine findbar werden.
3) Wikis – ermöglichen die einfache gemeinschaftliche Erstellung und Bearbeitung von Inhalten.
4) Tags – durch Verschlagwortung von Inhalten werden Daten kategorisiert und Informationen leichter auffindbar. Eine Tagwolke verbessert die Übersichtlichkeit und vereinfacht die Suche.
5) Soziale Netzwerke – Xing oder Facebook machen vor, wie sich Gleichgesinnte vernetzen. Das Prinzip lässt sich auch auf Unternehmen – in Teams, Abteilungen, Taskforces – übertragen. Von der geschlossenen Projektgruppe bis zur unternehmensintern-offenen Community ist alles möglich.
6) Projektmanagement in der Cloud – Netzwerke zum Datenaustausch und Projektmanagement entlasten die Mailbox.

3) Wie gefällt Ihren Mitarbeitern diese Arbeitsweise?
Bei IBM können Mitarbeiter jederzeit und überall arbeiten: beim Kunden, im Büro oder zu Hause. Verlässlichkeit, Integrität und Teamgeist sind Grundvoraussetzung für diese Art des Arbeitens sowie Professionalität und fachliche Expertise. Ein Enterprise-2.0-Konzept ermöglicht größere Transparenz und demokratisiert Arbeitsorganisationen. Passgenaue Schulungen machen den Einstieg leichter und nehmen die Hemmschwelle.

4) Wie wirkt sich Enterprise 2.0 auf den Geschäftserfolg aus?
Wir beraten Kunden zum Einsatz von Social Media im Unternehmenskontext und verkaufen Enterprise-2.0-Lösungen. Als globales Unternehmen, das in über 170 Ländern und über alle Zeitzonen hinweg tätig ist, sind heute innovative Arbeitsformen überlebenswichtig. Die IT-Industrie ist enorm schnelllebig. Ohne fortschrittliche Tools zur Zusammenarbeit könnten wir die Geschwindigkeit gar nicht erfolgreich mitgehen. Statt auf die im Verhältnis langsamere E-Mail zurückzugreifen, werden bei IBM täglich rund elf Millionen Chats geführt. Durch etwa 20.000 Webkonferenzen mit durchschnittlich 8,3 Millionenen Verbindungsminuten im Monat sparen wir außerdem eine erhebliche Summe an Reisekosten und reduzieren dadurch gleichzeitig unsere Emissionen.

5) Können Sie uns ein Praxisbeispiel nennen, das besonders erfolgreich war?
Die Deutsche AIDS Hilfe e.V. hat für ihre Mitarbeiter Lotus Live eingeführt – inklusive Webkonferenz, Chat-Programm, Online-Projektmanagement und Dateienaustausch. Die Cloud-Lösung ist ohne komplizierte Installation einer IT-Umgebung sofort über den Webbrowser nutzbar. Regionale und internationale Projekte lassen sich damit leichter organisieren und nachverfolgen. Mitarbeiter, mit denen man in ständigem Austausch steht, können dem eigenen Netzwerk hinzugefügt werden. Und Ehrenamtliche auf der ganzen Welt können über Gast-Zugänge kostenlos in den Projektablauf eingebunden werden.

6) Welche Empfehlungen geben Sie Unternehmen zum Enterprise-2.0-Einstieg?
Ein guter Startpunkt für die Entwicklung hin zu einem Enterprise 2.0 ist die Integration von Technologien wie Blogs, Wikis, Social Bookmarking oder Tagging in die Geschäftsabläufe. Ein Unternehmen wird jedoch nicht nur durch technische Neuerungen zu einem Enterprise 2.0. Auch die Unternehmenskultur muss sich ändern. Wo sich Unternehmen früher eher hierarchisch organisierten und Abteilungen stark auf Abgrenzung bedacht waren, besteht ein Unternehmen heute aus einem Netzwerk mit annähernd gleichrangigen Spezialisten.
Wer der jungen Generation kein Arbeitsumfeld bietet, das sie aus dem Studium gewohnt ist, wird bald nur noch schwer exzellente Mitarbeiter finden. Dasselbe gilt für Kunden. Auch hier ziehen nach und nach Digital Natives in die Führungsebenen ein und treffen Entscheidungen. Wer nicht den richtigen Ton bzw. den richtigen Kanal trifft, steht schnell auf dem Abstellgleis.
Unternehmen, die sich für den Wandel zum Enterprise 2.0 entscheiden, sollten Social Media Guidelines aufsetzen. Diese helfen beim kulturellen Wandel für Mitarbeiter und Management und geben als Leitplanken Orientierung im Web 2.0. Und letztlich – betrachten Sie eine Social-Media-Strategie als integralen Bestandteil Ihrer Unternehmensausrichtung und nicht als reines IT-Projekt.

7) Wie nutzt IBM Crowdsourcing?
IBM hält regelmäßig mehrtägige moderierte Online-Brainstormings – sogenannte Jams – mit Kunden und Mitarbeitern ab. Sie haben sich zu einem integrierten Teil der IBM-Strategie entwickelt. In einem Innovations-Jam wurden die besten Ideen dann auch mit 100 Mio. Dollar Investitionen umgesetzt. Im Rahmen des Lotus Jam Camp – einer Mischung aus Konferenz und Jam – wurden im Frühjahr 2010 Ideen rund um den Arbeitsplatz der Zukunft und Enterprise 2.0 diskutiert. Hierbei wurden bewusst Blogger und Digital Natives mit Firmenvertretern zusammengebracht, um einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Über das Buch: „Social Media für Unternehmer“
Dieses Experten-Interview ist ein Auszug aus dem Buch der Marketing-Expertin Claudia Hilker: „Social Media für Unternehmer: Wie man Xing, Twitter, Youtube und Co. erfolgreich im Business einsetzt“. Es verrät, worauf es wirklich ankommt, welches Netzwerk für welches Ziel und für welche Zielkunden geeignet ist. Claudia Hilker leitet die Düsseldorfer PR-Agentur Hilker Consulting und berät Kunden in der strategischen MarketingKommunikation. Die Marketing-Expertin entwickelt Konzepte, Content und Relations für Public Relations und Social Media. Claudia Hilker hält Workshops, Seminare und Vorträge.

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Kommentare

  1. Marcel says:

    Auf Enterprise 2.0 zu setzen ist die gezielte Entscheidung für die zukunftsfähige Ausrichtung des Unternehmens

  2. Sehr einfallsreich geschrieben. Danke!

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