Experten-Interview: Social Media Networking

Marketing | 2 Kommentare | von Claudia Hilker

Drei renommierte Network-Experten verraten ihre persönlichen Erfolgsrezepte zur Kontaktanbahnung mit Social Media, insbesondere mit Xing:  Joachim Rumohr, Monika Zehmisch und Martin Müller. Zudem werden Möglichkeiten vorgestellt, wie man den Kontakt über räumliche Distanzen überwinden kann und dabei den Vertrieb fördert.

Um mehr über die Erfolgsrezepte von echten Profis zu erfahren, kommen nun drei „alte Vertriebshasen“ zu Wort:

  1. Joachim Rumohr ist Xing-Experte Nr. 1 in Deutschland und gibt sein Wissen in Seminaren weiter.
  2. Monika Zehmisch ist Xing-Ambassadorin in Düsseldorf, Social-Media-Expertin und Buchautorin.
  3. Martin Müller ist Xing-Ambassador und Finanzmakler in Köln.

 

1) Was sind Ihre Ziele im Social-Media-Einsatz?

Martin Müller, Xing-Ambassador und Finanzmakler in Köln über Networking

Müller: Für mich gibt es zwei Ziele: Bestandskundenpflege und Kontaktaufnahme mit potenziellen Neukunden. Es ist mit Social Media einfach, viele neue Kontakte zu knüpfen. Es ergeben sich viele Kontakte. Die Quantität muss man selbst entwickeln und die wirklich wichtigen Beziehungen finden, dazu muss jeder selbst seine eigene Vorgehensweise entwickeln.

2) Was war Ihr tollster Erfolg damit?

Zehmisch: Es war es eine große Freude für mich, als ich meinen ersten Buchauftrag über Xing bekam. Meine Neugierde wuchs, herauszufinden, was noch so alles mit Xing möglich ist. Inzwischen ist es pure Faszination, mit Xing zu erleben, wohin die Reise noch geht.

Rumohr: Mein größter Erfolg ist meine eigene Firma und mein Status als Xing-Experte Nr. 1. Durch die jetzt über 500 veröffentlichten Fachartikel zum Thema Xing und Social Networking habe ich meinen Bekanntheitsgrad im Laufe der letzten Jahre immer weiter ausgebaut. Alles begann mit einem Blog und mittlerweile sind daraus Veröffentlichungen und Medien abgeleitet worden, die zehntausendfach gelesen wurden. Meine Leser kommentieren die Artikel und treten mit mir in Interaktion. Ich bekomme viele Feedbacks per E-Mail und auch in meinem Xing-Gästebuch und habe einige tausend Abonnenten, die meine neuen Artikel regelmäßig per Newsletter beziehen. Meine Follower auf Twitter informiere ich dabei ebenso über neue Artikel, wie meine Kontakte auf Xing. Und auch immer mehr Menschen abonnieren meine neuen Videos zu Xing auf YouTube. Ohne die vielfältigen Möglichkeiten der sozialen Medien wäre eine so schnelle und nachhaltige Positionierung sicher nicht möglich gewesen.

Müller: Ich bin nicht weit von meinem Büro auf dem Weg zum Auto von einem Passant angesprochen worden: „Sind Sie nicht Herr Müller von Xing?“ Dieser Mann war Geschäftsführer einer Werbeagentur im Nachbarhaus. Wir verabredeten uns zum Mittagessen und lernten uns kennen. Heute, vier Monate später, ist er mein Kunde und ich seiner.

3) Kennen Sie Erfolgsbeispiele von anderen Unternehmern?

Rumohr: Ich höre immer wieder tolle Erfolgsstorys, denn ich frage die Menschen aktiv nach Ihren Erfahrungen mit Xing und Social Networking. Eines der letzten Beispiele habe ich von einem Fitnessstudio aus dem Raum Frankfurt gehört. Der Besitzer hat in kürzester Zeit über 100 Mitglieder für sein neues Studio gewinnen können und alle kamen über Xing.

Zehmisch: Ich erlebe ständig neue Erfolgsgeschichten mit Xing, Facebook und Twitter. Ein Beispiel: Nach Gründung meiner Regionalgruppe Düsseldorf im Jahr 2004 fand kurz vor Weihnachten das erste Event statt: 13 wildfremde Mitglieder trafen sich in einer Cocktailbar im Düsseldorfer Medienhafen. Neben einem netten Abend haben tatsächlich zwei Personen geschäftlich zueinander gefunden und es kam direkt zu einem Auftrag. Das fand ich so erstaunlich, dass es mich angespornt hat, weitere Treffen zu veranstalten. Heute ist unsere Gruppengröße auf 24.000 Mitglieder gewachsen und fast täglich finden unsere Gruppenmitglieder geschäftlich zueinander. Das macht mich glücklich und dafür lohnt sich der ganze Einsatz.

4) Welche Tipps und Empfehlungen würden Sie anderen Unternehmern geben?

Müller: Wer kurzfristige Erfolge erwartet, wird enttäuscht werden. Es hat mehr als vier Jahre gedauert, bis ich regelmäßig Anfragen über Xing erhielt. Auch ist es wichtig, auf alle noch so unwichtig erscheinenden Anfragen zu reagieren, denn man weiß nie, was daraus wird.
Rumohr: Gerade in großen Unternehmen haben es die Geschäftsleiter oft noch gar nicht gemerkt, dass das Unternehmen längst mitten drin ist. Social Media bedeutet Kommunikation unter einzelnen Menschen und die Mitarbeiter sind häufig längst aktiv. Auf Xing werden beispielsweise Unternehmensprofile automatisch generiert, wenn fünf Mitarbeiter der gleichen Firma ein Xing-Profil haben. Kunden, Geschäftspartner und Interessenten suchen auf Xing nach der Firma und finden die Mitarbeiter. Das zersplittete Bild ist oft negativ für das Unternehmen. Es fehlen in der Regel klare Vorgaben und Leitfäden zur Nutzung von Social Media. Die Mitarbeiter wissen nicht, was sie dürfen. Hier besteht noch viel Handlungsbedarf bei den Unternehmen.

5) Ist mit Social Media eine Revolution im Business passiert?

 

Joachim Rumohr ist Xing-Experte Nr. 1 in Deutschland und gibt sein Wissen in Seminaren weiter

Rumohr: Ich weiß nicht, ob ich es Revolution nennen würde, doch in meinen zwanzig Jahren im Vertrieb hat sich die Kontaktaufnahme zu neuen Kunden in vielen Branchen komplett verändert. In den 90ern hat man Mailings versendet und telefonische Kaltakquise betrieben. Von den Ansprechpartnern war nichts bekannt und nur über teure und oft veraltete Nachschlagewerke konnte man überhaupt an Informationen kommen. Heute gibt es nicht nur aussagekräftige Profile, sondern die Möglichkeit, ganz gezielt zu suchen und sogar zu sehen, ob es gemeinsame Verbindungen gibt, auf die man aufbauen kann. Oder man grenzt auf Xing die Ergebnisliste gleich so ein, dass nur Mitglieder von Bekannten gefunden werden: Kontakte im zweiten Grad. Die Nutzung dieser Möglichkeiten steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Ich frage immer, ob diese Chancen bekannt sind und nur rund 10 Prozent wissen um diese Funktionen.

6) Welche Einstellungen sind förderlich zum digitalen Netzwerken?

Müller: Nicht für alle Unternehmer sind Social Media uneingeschränkt positiv. Manchmal entsteht eine ungewollte Transparenz, z.B. wird durch die Profile der Mitarbeiter das gesamte Organigramm einer Firma offen ersichtlich, wenn alle Mitarbeiter Mitglied bei Xing sind.

Zehmisch: Unternehmen müssen komplett umdenken. In der Vergangenheit konnten Unternehmen ihre Kommunikationskanäle in der Regel selber bestimmen. Informationen flossen von den Unternehmen eingleisig in die gewünschten Richtungen. Heutzutage entwickelt sich eine Eigendynamik. Unternehmen verlieren die Kontrolle und das fällt insbesondere größeren, traditionellen Unternehmen sehr schwer. Dieser Prozess muss also erst gelernt werden. Unternehmen müssen sich auf Social Media einlassen. Funktioniert aber nur, wenn ein Unternehmen bereit ist, dies durchgängig durch alle Instanzen und mit Überzeugung umzusetzen.
Es geht hier eigentlich gar nicht mehr um die Frage, ob ein Unternehmen dies möchte. Social Media sind Trend der Zeit und kein Unternehmen kann es sich leisten, darauf zu verzichten. Dies wäre so, als wenn ein Unternehmen auf eine eigene Website verzichten würde.

Verpasst ein Unternehmen diese Entwicklung und hat nicht die richtige Einstellung und den notwendigen Respekt vor dem Medium Internet, dann kann es ihm gehen wie Néstle (wird im Kapitel Presse-Arbeit erläutert) mit Greenpeace. Innerhalb weniger Tage ist der Ruf ruiniert, der Schaden ist enorm und alle Welt staunt, wie dies möglich sein konnte.
Empfehlenswert ist es, wenn ein Mitarbeiter (oder eine ganze Abteilung) für die Betreuung der Social-Media-Kanäle abgestellt wird. Diese Mitarbeiter müssen die nötige Kompetenz und Akzeptanz im Unternehmen besitzen und im Notfall einen kurzen Draht zur Geschäftsleitung haben, um schnelle Entscheidungen treffen zu können.

7) Arbeiten Sie mit einer Strategie oder intuitiv: aus dem Bauch heraus?

Müller: Am Anfang habe ich aus dem Bauch heraus gearbeitet. Im Laufe der Zeit habe ich Strategien entwickelt, mich auf die wirklichen potenziellen Kunden zu konzentrieren und diese gezielt anzugehen.

Rumohr: Ich arbeite intuitiv, probiere viel aus und beschäftige mich immer wieder mit neuen Möglichkeiten. Für mich ist die Entwicklung viel zu schnell und dynamisch als dass es möglich ist, eine langfristige Strategie zu entwickeln.

8)  Welche Tools verwenden Sie operativ? In welchen Netzwerken sind Sie aktiv?

Müller: Wichtig ist die Konzentration auf die Netzwerke, wo die Zielkunden zu finden sind. Das sind bei mir die Business-Netzwerke Xing und LinkedIN. Sicher habe ich auch einen Account bei Facebook, asmallworld, stayfriends so wie in vielen anderen Netzwerken, um informiert zu sein. Aber 80 Prozent meiner beruflichen Social-Media-Tätigkeiten passieren in Xing. Mit Phrase Express kann man sich Standardtexte einfach speichern, die meiste Zeit nutze ich die Tools selbst, einige Standardaufgaben sind aber auch delegiert.

Rumohr: Ich arbeite neben Xing mit einer Vielzahl von Tools, die mir helfen zu kommunizieren, den Überblick zu behalten, informiert zu sein oder einfach nur optimal und schnell arbeiten zu können. Meinen Blog betreibe ich beispielsweise mit WordPress. Die regelmäßigen Newsletter bei neuen Artikeln werden genau wie mein E-Mail-Seminar automatisiert von aweber.com versendet. Über Twitter versorge ich die dortige Fangemeinde mit zeitnahen Informationen zu neuen Artikeln. Auf YouTube lege ich Auszüge meiner DVD und weitere Filme über Xing ab und binde diese dann auch wieder auf den eigenen Seiten ein.

 

• Monika Zehmisch ist Xing-Ambassadorin in Düsseldorf, Social-Media-Expertin und Buchautorin

Zehmisch: Mein wichtigstes Business-Networking Tool ist Xing, denn nur hier finde ich die seriöse Business-Umgebung, die es mir ermöglicht, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Für die Verbreitung schneller Nachrichten nutze ich Twitter. Allerdings belästige ich meine Mitmenschen nicht mit Banalitäten, z.B. ob ich mir gerade einen Kaffee koche. Leider findet man dort auch Wichtigtuer oder Menschen, die offensichtlich kein Leben außerhalb des Internets haben.

Facebook nutze ich für die schnelle Kommunikation mit Freunden, Bekannten und Kollegen, weil es einige Vorteile durch Sichtbarkeit und Flexibilität bietet. Wenn man in den Facebook Fanpages nicht gerade ein trendiges Produkt, eine coole Marke oder bekannte Persönlichkeiten präsentiert, dann sind Facebook im Businessbereich schnell Grenzen gesetzt. Dort findet sich zu viel Masse statt Klasse. Die Fanseiten von Ariel und Simyo machen allerdings vor, dass man mit Engagement, Information, redaktioneller Betreuung und spritzigen Werbe-Ideen bei Facebook sehr wohl Kundenbindung betreiben kann. Für die Pflege meines Persönlichkeitsprofils nutze ich noch Yasni und StayFriends für Kontakte. Mit meinem iPhone und meinem iPad nutze ich alles auch mobil. Alle anderen Social-Community-Seiten kenne ich, nutze sie aber nur für meine Recherchen zu meinen Büchern, Artikeln und Seminaren.

9) Nach welchen Kriterien haben Sie die Netzwerke ausgewählt?

Müller: Die Auswahl fiel aufgrund der Frage, wo ich die meisten Zielkunden finde und wo sich die meisten meiner bestehenden Kontakte aufhalten.

10) Welche Themen posten sie? Wo ist die Resonanz besonders gut?

Müller: Ich poste in der von mir moderierten Regionalgruppe Köln alle offiziellen Informationen und in vielen anderen Gruppen oft Hinweise auf die von mir organisierten Events. Wichtig ist das Engagement in einer Nicht-Fach-Gruppe. Als Finanzmakler nutze ich Finanzgruppen für fachlichen Austausch, aber für den Bekanntheitsgrad und für die Wahrnehmung von potenziellen Kunden ist das Engagement von neutralen Themen ratsam. Wenn jemand eine unabhängige Finanzplanung haben möchte, kommt er mittlerweile automatisch auf mich zu, weil er mein Profil schon oft in positivem Zusammenhang in einer Regionalgruppe gesehen hat.

11) Wo sehen Sie die Gefahren: Gibt es beispielsweise eine Social-Media-Sucht?

Zehmisch: Es liegt tatsächlich eine große Gefahr darin, dass man Social-Media-süchtig wird. Ich habe neulich ein Video gesehen, in dem ein Bräutigam die gerade geschlossene Ehe erst mit seinem Handy bei Facebook veröffentlicht (er ändert seinen Status von „Single“ zu „verheiratet“), bevor er die Braut küsst. Auch wenn es vielleicht ein Gag ist, ich finde ich das nicht witzig.

Deshalb bin ich auch so sehr von Xing überzeugt. Dort ist es mühelos gelungen, den Brückenschlag von der virtuellen Welt in die wirkliche Welt zu schaffen. Mehr als 33.000 Gruppen veranstalten Offline-Events aller Art – ganz vorne an die regionalen Ambassador-Gruppen mit riesigen Mitgliederzahlen. Hier kommt man gar nicht in Versuchung, sich in der virtuellen Welt zu verkriechen, sondern lebt nach dem Motto: „Persönliches zählt und Geschäftliches ergibt sich“!

Sie haben in diesem Kapitel die Erfahrungen der Xing-Pioniere kennengelernt

Sie erobern nun als „alte Vertriebshasen“ Social Media. Neu daran ist, dass heute im Vertrieb ein Mix eingesetzt wird, der daraus besteht, interessante Gespräche in Blogs, Communitys und Social-Media-Plattformen zu initiieren und bis zum Abschluss in Kontakt zu bleiben über: Website, Blogs, Videos. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: E-books, White Papers und kostenfreie Schulungsfilme. Wenn Sie nur darauf setzen, viele Kontakte zu sammeln, dann werden Ihnen die Kunden verloren gehen, die Sie so mühsam akquiriert haben. Denken Sie also daran, wie Sie dauerhaft Social Media Content produzieren. Vergessen Sie bei aller Social-Media-Leidenschaft nicht die notwendige Basis: eine eigene attraktive Website, aktueller Content und Online-Marketing.

Fazit: Auch in Social Media kaufen Menschen von Menschen
Wo immer Menschen miteinander Geschäfte machen: Sie vertrauen sich gegenseitig. Vertrauen ist die Basis einer jeden Geschäftsbeziehung – auch in Social Media. Sie können die Grundlagen von Social Networking verwenden, um Vertrauen aufzubauen, ein Gespräch zu initiieren und die Geschäftsentwicklung zu fördern. Relevant dabei ist, dass Sie wirklich gute Leistungen bringen müssen, denn auch schlechte Leistungen sprechen sich schnell herum. Deshalb ist Qualitätssicherung und Monitoring für die Wahrung Ihrer Online-Reputation sehr wichtig.

Über das Buch: „Social Media für Unternehmer“ von Claudia Hilker
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch der Marketing-Expertin Claudia Hilker: „Social Media für Unternehmer: Wie man Xing, Twitter, Youtube und Co. erfolgreich im Business einsetzt“. Es verrät, worauf es wirklich ankommt, welches Netzwerk für welches Ziel und für welche Zielkunden geeignet ist. Claudia Hilker leitet die Düsseldorfer PR-Agentur Hilker Consulting und berät Kunden in der strategischen MarketingKommunikation. Die Marketing-Expertin entwickelt Konzepte, Content und Relations für Public Relations und Social Media. Claudia Hilker hält Workshops, Seminare und Vorträge.

> Buch jetzt bei Amazon bestellen

Tags: , , , , , , ,

Kommentare

  1. Pingback: Social Media für Unternehmen – Claudia Hilker Top Profile auf LinkedIn: 14 Beispiele - Social Media für Unternehmen - Claudia Hilker

  2. Pingback: Social Media für Unternehmen – Claudia Hilker Tipps für ein erfolgreiches LinkedIn Profil (2/4)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie k$ouml;nnen diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Folge mir auf Twitter

Facebook

ProvenExpert

Hilker Consulting hat 4,56 von 5 Sterne | 82 Bewertungen auf ProvenExpert.com

Buch Publikationen

Übersetzer