Experten-Interview Enterprise 2.0 mit Dr. Willms Buhse

Strategie | 0 Kommentare | von Claudia Hilker

Wie können Unternehmen Social Media auch intern nutzen, um eine durchgängige innovative Unternehmensführung zu erzielen? Mit dieser Frage befassen sich zurzeit viele Unternehmer. Zeitgemäße Unternehmensführung basiert neben dem externen Social-Media-Einsatz auch auf einer passenden internen Unternehmenskultur. Wenn Social Media intern im Unternehmen eingesetzt wird, so spricht man von „Enterprise 2.0“. Lesen Sie mehr dazu im Experten-Interview mit Dr. Willms Buhse. Der Beitrag ist ein Auzug aus dem Buch von Claudia Hilker: „Social Media für Unternehmer“.

Dr. Willms Buhse ist Enterprise 2.0 Experte und Gründer von doubleYUU, einem Beratungsunternehmen spezialisiert auf die Einführung von Prinzipien des Web 2.0 in Unternehmen. Er setzt dabei auf aktive Partizipation der Mitarbeiter.

1) Was heißt Enterprise 2.0?
Die Einführung von Social Software und Web 2.0-Technologien bedeutet vor allem einen Wandel der Unternehmenskultur. Technologie kann ein effektives Werkzeug sein, doch maßgeblich geht es um die Partizipation der Mitarbeiter. Bei allen Social Software-Tools geht es immer um den zentralen, für Unternehmen relevanten Punkt des Web 2.0: die bestmögliche Nutzung der kollektiven Intelligenz. Somit wird alles schneller, innovativer und sorgt für neue Mitarbeitermotivation.

2) Sind Mitarbeiter damit nicht überfordert?
Digital Natives sind nicht überfordert, sondern erwarten dies. Ältere Mitarbeiter müssen an diese Form der Kommunikation herangeführt werden (ähnlich wie früher bei E-Mail). Es geht um das Erreichen der strategischen Unternehmensziele, die natürlich durch bessere Kommunikation und Zusammenarbeit leichter und effektiver erreicht werden können. In der unternehmerischen Praxis hingegen mangelt es oft an zielgerichteter Kommunikation und Abteilungs- und hierarchieübergreifender Zusammenarbeit.

3) Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Beratungspraxis gesammelt?
Bei Social Media geht es vorwiegend um eine Einführungs- und Umsetzungsstrategie. Change Management ist für den Erfolg extrem wichtig. Erfahrungsgemäß funktioniert ein systemischer Ansatz mit engen Feedbackschleifen bei stark kulturlastigen Veränderungen wie Enterprise 2.0 am besten.

4) Welche Strategien setzen Sie selbst ein?
Wir setzen auf Selbstständigkeit und Selbstverantwortung, um die Motivation der Mitarbeiter zu verdoppeln – daher auch der Name DoubleYUU. Dazu setzen wir Kommunikationstechnologien ein wie: Blogs, Wikis, Twitter, Google Apps, Sharepoint.

5) Was sind die Hindernisse?
Viele Projekte werden zu techniklastig angegangen. Während viele Mitarbeiter und das Top-Management das Ziel der offenen und transparenten Kommunikation sehen und auch befürworten, gibt es im Middle Management häufig viele Bedenken, die es zu überwinden gilt.

6) Welche Ziele werden verfolgt?
Das Ziel ist eine offene und transparente Kommunikation zwischen den Mitarbeitern sowie im Außenverhältnis mit Kunden und Lieferanten. Maßgeblich für den Erfolg sind Art und Umfang der erfolgreichen Selbstorganisation und hierarchiefreien Kommunikation. Während sich klassisch strukturierte Unternehmen durch hierarchische Strukturen und Prozesse auszeichnen, werden im Enterprise 2.0 an vielen Stellen Hierarchien bewusst flexibilisiert, um damit den notwendigen Raum für eine erfolgreiche Selbstorganisation zu schaffen. Mit der dadurch ermöglichten dauerhaften Innovationsdynamik und Kreativität lässt sich die Leistung eines Unternehmens erheblich steigern.

7) Welche Abteilungen sollten führend sein: Chef, Vertrieb, Marketing, PR?
Treibend sollten das Management und Business Units sein. In der Umsetzung selber arbeite ich mit einer TaskForce aus den Perspektiven Kommunikation, Personal und Technologie.

8 ) Ist es Chefsache oder Abteilungs-Aufgabe?
In den meisten Unternehmen beginnen Enterprise 2.0-Projekte auf Abteilungsebene. Um aber große Effekte zu erzielen, ist ein unternehmensweiter Einsatz notwendig – und das ist Chefsache.

9) Welche Unternehmen sind ganz vorn?
Zunächst waren es B2B-Unternehmen, wie Beratung und Technologie. Jetzt setzt sich Enterprise 2.0 auch bei B2C-Unternehmen durch wie: Industrie, Handel, Banken, Versicherungen.

10) Wer profitiert besonders von Enterprise 2.0?
Die Potenziale wachsen, je größer das Unternehmen wird, da die Wissensmengen und die Einsparungspotentiale bei weniger Doppelarbeiten immer größer werden. Aber auch für kleinere Unternehmen bringt es große Effizienzvorteile.

11) Was müssen Unternehmer ändern oder neu lernen?
Enterprise 2.0 heißt: Die Kunst loszulassen. Manager müssen ihren Mitarbeitern stärker vertrauen, diese werden das Vertrauen zurückgeben. Das Setzen von Rahmenbedingungen erfolgt mit klaren Werten und Zielen, weniger dem Managen en Detail.

12) Werden eher interne Projekte wie Wissensmanagement mit Wikis eingesetzt?
Es geht um eine ganze Palette sozialer Werkzeuge, also Wikis, Blogs, Facebook, die von Plattformen wie Microsoft Sharepoint oder IBM Lotus und einigen OpenSource-Plattformen abgedeckt werden.

13) Haben Sie Best-Practice-Beispiele?
Ja, ein Beispiel von dem Softwareanbieter CoreMedia: Phil, ein Vertriebler aus England, besuchte einen Kunden in Moskau. Bei der Rückreise hatte sein Flieger Verspätung. Phil nutzte die Zeit, um einen Blog zu schreiben, dass sein Vertriebsvorhaben nicht so gut angekommen sei, und fügte dem Text noch seine Präsentation hinzu. Wenige Stunden später meldete sich Lydia, eine ihm unbekannte Entwicklerin aus Hamburg, auf seinen Blogbeitrag. Nachdem sie sich die Präsentation angesehen hatte, antwortete sie, dass einige Begriffe missverständlich übersetzt worden seien. Phil meldete sich sofort bei Lydia, die beiden machten einen weiteren Kundenbesuch zusammen und gewannen das Geschäft über mehrere Hunderttausend Euro! Ein tolles Ergebnis, oder?

14) Kennen Sie schlechte Beispiele, aus denen die Leser lernen können?
In vielen Unternehmen wird diese Technologie nur in einzelnen Abteilungen eingeführt, aber nicht übergreifend. Die unternehmensweite Kommunikation wird dadurch nicht gefördert.

15) Welche Tretminen sollten unbedingt vermieden werden?
Die Bedeutung einer Beteiligung durch das Management zu unterschätzen – in allen Unternehmen erwarten die Mitarbeiter eine Vorreiterrolle durch das Management.

16) Ist Google ein Vorzeige-Unternehmen für Enterprise 2.0?
Ein wichtiger Aspekt bei Google ist sicherlich die Möglichkeit als Entwickler 20 Prozent seiner Zeit frei einteilen zu können. Es bleibt abzuwarten, ob sich Google als Enterprise-2.0-Plattform in den nächsten Jahren erfolgreich platzieren kann. Aus meiner Sicht ist eher ein Unternehmen wie IBM ein Vorreiter in Enterprise 2.0, da sie selber diese Tools im Unternehmen einsetzen und anbieten.

Im nächsten Experten-Interview lesen Sie ein Experten-Interview mit IBM.

Mehr Infos über das Buch: „Social Media für Unternehmer“

Dieses Experten-Interview ist ein Auszug aus dem Buch der Unternehmensberaterin Claudia Hilker: „Social Media für Unternehmer: Wie man Xing, Twitter, Youtube und Co. erfolgreich im Business einsetzt“. Es verrät, worauf es wirklich ankommt, welches Netzwerk für welches Ziel und für welche Zielkunden geeignet ist. Claudia Hilker leitet die Düsseldorfer PR-Agentur Hilker Consulting und berät Kunden in der strategischen MarketingKommunikation. Die Marketing-Expertin entwickelt Konzepte, Content und Relations für Public Relations und Social Media. Claudia Hilker hält Workshops, Seminare und Vorträge.

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