Social Media-Anwenderkonferenz 2011

Strategie | 1 Kommentare | von Claudia Hilker

Die Social-Media-Anwenderkonferenz fand am 14. September 2011 in der FH Köln statt. Die Teilnehmer haben sich über den aktuellen Stand von Social Media in der Praxis informiert und Diskussionen dazu geführt. Initiator ist Prof. Dr. Matthias Fank vom Institut für Informationswissenschaften der FH Köln. Organisiert wird die Veranstaltung von Infospeed, dem Social-Media-Monitoring-Marktführer für Webknowledge.

Referenten renommierter Unternehmen wie Bayer, Targobank, Greenpeace und Electronic Arts berichteten über ihre Erfahrungen im praktischen Social-Media-Einsatz. Es ging um Einblicke, wie Unternehmen Social-Media-Kanäle strategisch nutzen. Praxisnahe Berichte und Case Studies beleuchteten Social Media aus unternehmerischer Sicht.

Zentrale Fragen waren beispielsweise:
• Wie wird Social Media im Finanzdienstleistungssektor genutzt?
• Was steckt hinter den äußerst erfolgreichen Social-Media-Kampagnen von Greenpeace?
• Wie präsentiert sich dort ein Traditionskonzern wie die Bayer AG?

Prof. Dr. Matthias Fank begrüßte die Besucher der 4. Anwenderkonferenz und übergab direkt an den ersten Referenten: „Auf der Suche nach der Identität – Traditionskonzerne in sozialen Netzwerken“ von Thomas Helfrich, Bayer AG (Social Media & Executive Support).

Die Bayer AG ist ein klassisches Traditionsunternehmen und hatte zunächst Vorbehalte gegen Social Media. Thomas Helfrich schilderte den Projekt-Verlauf anschaulich. Zunächst ging es um eine Bestandsaufnahme, denn Bayer hat hunderte von Websites und auch diverse Fanpages bei Facebook. Und es ging um den Nutzen: Bayer will durch die Kundennähe in Social Media profitieren. Durch den interaktiven Dialog werden Erfahrungen ausgetauscht. Bayer gewinnt durch die Gespräche Ideen zur Produkt-Optimierung. Zudem ist Employer Branding für Bayer interessant. Rekrutiert werden vorwiegend Auszubildene und Fachkräfte über Social Media.

Social Media Anwenderkonferenz 2011

Social Media Anwenderkonferenz 2011

Der CEO hat ein persönliches Begrüßungsvideo auf der Bayer Fanpage eingestellt. Es findet dort keine Produkt-PR dort statt, aus rechtlichen Gründen und auch weil Bayer lieber echte Fans gewinnen möchte.

Auch kritische Fragen tauchen bei Facebook auf, z.B. wenn Arbeitsplätze bei Bayer abgebaut werden. Bayer nimmt den Dialog auf und gibt Antworten online. Facebook schreibt Chemie-Unternehmen vor, die Pinnwände zu öffnen, damit Kunden bzw. Patienten ihre Produkt-Anfragen dort platzieren können.

Zur internationalen Social Media Ausrichtung bei Bayer: Jedes Land darf eigenständig mit abgestimmten Spielregeln in Social Media agieren und es erfolgt ein regelmässiger Austausch. Zudem wird das Engagement durch Social Media Guidelines für Mitarbeiter im Social Media Umgang abgesichert.

Herausforderungen eines Anbieters von Computer– und Videospielen im Bereich Social Media präsentierte Felix Göppl, Electronic Arts GmbH (Head of Media & Consumer Insights). Die Vielfalt der Spiele ist genauso beeindruckend wie die Erfolge mit Fans und Follower sowie der ROI: Umsatz und Gewinn sind im Game-Sektor hoch. Blogbuster bringen hohe Einnahmen und eignen sich hervorragend zur Online-Vermarktung, weil viele Kunden internet-affin sind.

Social Media Monitoring in der DZ BANK AG war das Thema von Walther Schönzart, DZ BANK AG (Leiter Online Marketing). In der Krisenkommunikation sinkt der Handlungsspielraum und die Welle der Aufmerksamkeit steigt. Es gibt drei Kategorien im Social Media Monitoring Zeitverlauf einer Krise: 1) Vorkrise 2) akute Krise und 3) Nachkrise. Jede Phase hat einen spezifischen Verlauf.

Die Ziele beim Monitoring der DZ BANK AG sind:
• Monitoring und Reporting als KrisenRadar: Reputation
• Stabsstellen Anforderungen erfüllen und Reportings erstellen für: HR, Vertrieb, Kommunikation, Marketing.

Social-Media-Ergebnisse: die anderen Abteilungen wollen auch partizipieren und sich am Projekt beteiligen. Trainees machen auch Wikis intern, aber der Großteil der Mitarbeiter ist schon mit den üblichen Aufgaben überfordert und stößt an technische Grenzen bereits mit Lotus Notes. Sein Tipp zum Abschluss: „Build your network before you need it.“

Die Social-Media-Kampagnen von Greenpeace e. V. stellte der Pressesprecher Jan Haase vor. Die Ziele: Öffentlichkeit erreichen über Live-Kampagnen, online publizieren, über Social Media verteilen und virale Effekt bewirken und natürlich: Spendengelder erzielen. Greenpeace hat über 100 000 Social-Media-Kontakte: Twitter, Facebook, Youtube und Co. Die Social-Media-Betreuung erfolgt durch die Internet-Redaktion: 40 Mitarbeiter und Ehrenamtliche.

Die präsentierten Social-Media-Aktionen sind auch im Youtube Channel von Greenpeace:
1) RWE Spot wird verulkt als Satire, gewinnt bei Horizont sogar einen Preis als beste Kampagne, aber mit viel weniger Budget als bei RWE.
2) Vattenfall: das Elektro-Auto wird kritisch hinterfragt.
3) Kitkat Story mit Nestle Palmöl: die Kommentare auf Fanpage hatte Nestle vorübergehend geblockt.

Social Media im Finanzdienstleistungssektor präsentierte Matthias Kröner, Fidor Bank AG (Vorstand). „Über Geld spricht man nicht“ – oder doch? Social Media hält auch Einzug im Finanzbereich wie die Fidor Bank zeigt. Warum Social Media und Banking die Zukunft prägen werden, das umriss Matthias Kröner.

“Banking mit Freunden” bezeichnet die Fidor Bank ihren Ansatz des Community-Banking. Erlebbar wird dieser durch enstprechende Web 2.0 bzw. Community-Funktionalitäten, die die Bereitschaft zum Dialog und Transparenz unterstützen soll. User können z.B. Meinungen zu Finanzprodukten abgeben und im Austausch mit anderen Usern sowie mit Experten einholen.

Die Bank im Social Web – Idee, Chancen und Hürden am Beispiel der TARGOBANK präsentierte Tanja Janz, Pressesprecherin. Sie zeigte den Projektüberblick: Strategische und operative Phase, Krisen-PR und betonte: „Social Media ist kein Vertriebskanal!“ Der Slogan der Bank wird zum Titel der Fanpage: „So geht Bank heute“. Die Themen in Facebook sind beispielseise: Lauf, Bewerbungen und Umfragen.

Doch es gibt auch noch Altlasten: Die junge Marke „Targo“ muss sich um die Lasten der alten Marke „Citibank“ kümmern. Die Lehman-Krise der Citybank wird noch in Social Media diskutiert wie auch Beispiele für falsche Bankberatung: Bausparvertrag für eine 84-jährige Rentnerin in Essen. Doch die Kritiken verblassen mit der Zeit. Die Kanäle bleiben immmer offen, mit Kritik wird offen und ehrlich umgegangen.

Restriktionen sind natürlich das Bankgeheimnis und Datenschutz. Zudem darf keine Produktberatung online stattfinden. Die Social Media Abteilung ist den Abteilungen Beschwerden und Kundenmanagement vernetzt. Auch der Vorstand wird einbezogene, wenn es um grundsätzliche Entscheidungen geht.

Social Media in der PR: Themen anders kommunizieren, das präsentierte Luisa Vollmar, Deutsche Telekom (Corporate Communications). Die Telekom kommuniziert in Social Media: News, Ankündigungen, Produkt-Innovationen und aktuelle Zahlen.

Besonderheiten sind die „Erklärstücke“, also Infos über schwer-erklärbare Inhalte. Dazu zählen beispielsweise „Hands-on-Videos“: Drei Fragen an Herrn / Frau XY für virale Aktionen als Interview oder Statement. Die Teaser werden als Tweets verschickt.

Auf Facebook gibt es Mit-Mitmach-Aktionen, Dialog und Community-Management. Auch Influencer-Beziehungen werden über Events wie IFA und Meetings gepflegt.

Mein Fazit: Ein gelungener Social-Media-Kongress mit vielen Praxis-Erfahrungen, fachlichem Austausch mit netten Kollegen und vielen Inspirationen.

Freue mich schon aufs nächste Jahr 🙂

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